Wort des Monats
Wort des Monats April 2021, Fächer
von fächel, fächlein 
Der Fächer ist nicht einfach ein Werkzeug der Frischluftzufuhr. Er war auch eines der Koketterie. Vor einigen 100 Jahren gab es eine regelrechte Fächersprache, bei der die Haltung des Fächers geheime Aussagen bedeuten konnte – insbesondere Aussagen der Liebe.
Die Verbindung zwischen Liebe, frischer Luft und fruchtbarem Frühling hat Paul Fleming verdichtet und gewissermaßen miteinander verheiratet: 
Der verliebte Himmel lächelt 
in die gleicherwärmte Luft, 
welche gleichsam Küsse fächelt 
auf der schwangern Erden-Kluft, 
die bald Beiden, so sie liebet, 
tausent' schöner Kinder giebet.
Wort des Monats März 2021, Kuss
„der kuss hat übrigens auch eine menge anderer landschaftlicher namen, über die kuss die herrschaft behauptet hat“
Für den Kuss gab es schöne, erstaunliche, auch komische Ausdrucksweisen. Manche davon finden sich bis heute.
Buss, Butsch (bussen, bützen = küssen)
Tunsch
Guschel (von Mäulchen)
Schmatz, Schmutz und Schmützlein
Heiz (heizen = küssen)
Musche (die, hörbarer Kuss, dazu muschen = küssen)
Tuutje (dat, ostfries.)
So kommt auch der Frühling, „der Sonne goldener Kuss“ (E. Mörike), auf viele verschiedene Weisen.
Wort des Monats Februar 2021, schwimmen​​​​​​​
zunächst vom menschen, sich durch bewegung der arme und beine auf dem wasser schwebend erhalten
Die wichtigste Bedeutung des Verbs schwimmen ist die Bewegung des Menschen. Zunächst im Wasser, aber nicht nur, wie Schillers Franz in den „Räubern“ es mit Bezug auf das Leben, die ganze Welt sagt: „Schwimme, wer schwimmen kann, und wer zu plump ist, geh unter!“
Doch von der Bewegung wurde schwimmen auch auf unbewegliches übertragen. Etwa auf feste Körper, die oben auf dem Wasser „schwimmen“ wie Treibholz. Hier sind wir zwar noch beim Schwimmen, jedoch schon ohne die Bewegung. Und eine weitere Übertragung fand statt: auf Dinge, die nicht eigentlich schwimmen und doch so bezeichnet werden. Wie bei Else Lasker-Schüler in „Täubchen, das in seinem eignen Blute schwimmt“. Ebenso die manchmal so bezeichneten „von Tränen schwimmenden“ Augen. Von da ist es ein kurzer Weg zum Verschwommenen, das ein klares Sehen verhindert. In Lust, Liebe und Trunkenheit können wir Menschen ebenso „schwimmen“ wie in Gedanken, in Träumen und auch in der Wirklichkeit. Da kann sogar eine Baderegel wie „Gehe nicht tiefer ins Wasser, als du schwimmen kannst.“ zum (Über-)Lebensmotto werden.
Wort des Monats Januar 2021, sprechen
„Deutlichkeit, Freyheit und Anmuth sind unerreichbar, wenn der Redner mehr Zeit und Kraft zum Athmen als zum Sprechen braucht.“
Das schrieb Zelter an Goethe und verbindet damit zwei Bedeutungen des Sprechens: Die Fähigkeit Laute zu äußern und die Fähigkeit Gedanken verständlich in Worte zu fassen. Form und Inhalt sind eins. Was Zelter schrieb, ist undatiert. Und nicht zu datieren ist auch, dass sprechen beides ist: es tun und dabei etwas sagen. Nicht von ungefähr kommt die Wendung: viel reden, ohne etwas zu sagen. Und im Umkehrschluss bedeutet nicht sprechen, also schweigen nicht einfach nichts sagen. Es ist wiederum eine Fähigkeit: Zeit und Kraft in das Atmen zu investieren, wenn die Gedanken keinerlei Laute bedürfen um ausgedrückt zu werden.
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